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Geschichte und Gesellschaft Andalusiens heute


von Felix Boller
01.02.2004, aktualisiert am 01.02.2004, 14:25 Uhr


Stimmenanzahl: 6 - Durchschnittliche Wertung: 3.83 ()


Durch den Gegensatz der extrem reichen Großgrundbesitzer adliger Abstammung und der Masse der besitzlosen Landarbeiter hat Andalusien schon lange zu einer politisch unruhigen Zone gemacht. Die PSOE stützte, mindestens am Anfang, ihre Macht auf die andalusische Partei ab. Gonzalez ist Andalusier. Es gab verschiedentlich auch Streiks und kleinere Aufstände der Landarbeiter. Aber die langen Zeiten der Königreiche und später der beiden Diktaturen und Rivera und Franco verhinderten eine gerechtere Verteilung des Landes. Noch heute gibt es Familien wie die Medinacelli, die ca. 70'000 ha Land besitzen und damit de facto auch einige Dörfer beherrschen. Heute scheint der Tourismus Ruhe gebracht zu haben. Die einfachen Leute fanden im Tourismus vermehrt Arbeit, wenn auch relativ schlecht bezahlte Hilfsarbeit und die Reichen konnten mit Immobilienspekulationen und Investitionen im Tourismus noch reicher werden. Die hohe Arbeitslosenrate und das tiefe BIP zeigen trotzdem an, dass eine Strukturreform nötig gewesen wäre. Zur Entlastung versuchte die Administration von Franco neue Dörfer zu schaffen. Im ganzen Land, speziell aber in Andalusien und Extremadura, wo der Anteil der armen Landarbeiter besonders groß war, entstanden neue Dörfer.

Den Großgrundbesitzern wurde Trockenland (campo secano) mit geringem Wert abgekauft. Enteignungen kamen nicht vor, da sich das faschistische Regime gerade auf Großgrundbesitzer als eine tragende Bevölkerungsgruppe abstützte.
Es wurden in den fünfziger und sechziger Jahren sehr viele Stauseen gebaut. Unterhalb wurde nun den Großgrundbesitzern Land abgekauft und an Landarbeiter verteilt. Es wurden planmässig neue Dörfer geschaffen mit quadratischem Grundriss und dem uns nun bekannten Aufbau mit Plaza mayor mit Kirche und Rathaus. Die Häuser waren sehr klein und einstöckig. Die Landvergabe war bescheiden.
Bewässertes Land wurde pro Familie in der Größenordnung von 4 bis 5 ha abgegeben. Dies genügte in den fünfziger Jahren, ist unterdessen aber eine obsolete Größe, so dass schon längst die Landflucht auch diese Dörfer erfasst hat. Wichtige Kolonisationsgebiete waren der "de la frontera"-Gürtel zwischen Morón und Jerez, die Umgebung von Córdoba sowie die Region Almeria. Die Dörfer bekamen meist eine Bezeichnung wie "Villanueva de ..." oder "Villafranca de ..." oder "Pueblonuevo de ...". In Almeria konnten sie sich am besten halten, da sie in den Boom der Gewächshauskulturen hineinkamen.

Der Tourismus hat an der Küste und in den wichtigsten Tourismusstädten die Gesellschaft sehr geändert. Innerhalb kurzer Zeit wurde aus dem rückständigen, agrarischen Andalusien ein mondäner Ferienbezirk der EU. Der Kontrast, der einst zwischen Barcelona oder Madrid einerseits und dem rückständigen Andalusien andererseits geherrscht hatte, ist heute innerhalb Andalusien zwischen Torremolinos und den dahinterliegenden Bergdörfern zu finden.




Kommentare zu diesem Artikel

Am 22.04.2007 schrieb ich
geändert=verändert
Am 17.04.2006 schrieb i-net-dave
Ich find gut, dass es im net auch mal gescheite Artikel gibt, denn auf 95% der seiten die ich öffne werde ich zugemüllt. Muss leider ein Referat über Andalusien halten...

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