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Gesellschaftliche Implikationen durch den Tourismusvon Felix Boller 01.02.2004, aktualisiert am 01.02.2004, 14:49 Uhr Es wurde noch keine Bewertung abgegeben Der Tourismus überrollte die einheimische Bevölkerung und staatliche Stellen. Die Infrastruktur genügte schon bald überhaupt nicht mehr, die Strassen waren zu eng und wenig unterhalten, die Wasserversorgung brach zeitweise zusammen. Die Einheimischen konnten sich, sofern sie nicht schon Land an der Küste besaßen, Mieten und Bodenpreise nicht mehr leisten. Die aus den umliegenden Provinzen an die Costa del Sol (ursprünglich costa malagüense) wanderten, einfachen Hilfskräfte wohnten in bescheidensten Unterkünften in den tief eingeschnittenen Tälern, die aus den Bergen an die Küste führten. Nur dort waren in alten Häusern oder billig errichteten Appartements noch erschwingliche Mieten vorhanden. Wer aber Glück hatte und ein Haus im Dorf oder Land an der Küste besaß, wurde über Nacht vermögend. Andalusien ist ein traditionell armes Auswanderungsland mit großem Anteil Tagelöhner und Großgrundbesitz. Zur Zeit der Tourismusentwicklung waren Frankreich, Deutschland und die Schweiz die bevorzugten Zielgebiete. 1968/69 gab es, verursacht durch eine erste kleine Wirtschaftskrise innerhalb des Nachkriegsbooms, einen Stopp der Auswanderung, dann aber nochmals einige Jahre der Auswanderung bis zur Krise von 1974 bis 79. Bis ca. 1975 war die Auswanderung nach Mitteleuropa immer bedeutender als die Binnenmigration an die Küste. Auch waren die Stellen in Mitteleuropa wegen der deutlich höheren Löhne begehrter als im Tourismus. Ab ca. 1965 ist die Abwanderung aus der Provinz Málaga so klein geworden, dass wieder ein leichtes Wachstum der Gesamtbevölkerung einsetzt. Die Binnenwanderung an die Küste dominiert nun eindeutig, seit die Abnehmerländer für Gastarbeiter ihre Grenzen schlossen. Auch heute ist bei der großen Arbeitslosigkeit in den meisten EU Ländern eine Auswanderung kaum möglich. So wurde die Küste zum Hauptziel der Migrationsströme. Der Tourismus ins Landesinnere brachte nur bescheidenes Wachstum. Sevilla, Cordoba, Granada konnten nur sehr beschränkt neue Arbeitskräfte absorbieren. Bis heute blieben die Versuche, den Tourismus flächenhaft zu verteilen, aussichtslos. Es werden zwar immer mehr Rundreisen angeboten und die Touristen der Küste unternehmen manchmal auch einen Ausflug ins Landesinnere, aber dies sind minimale Ströme im Vergleich zum Fluss an die Küste. Der Tourismus hat wohl auch zusammen mit dem Einfluss der zurückkehrenden Gastarbeitern bei der Modernisierung der spanischen Gesellschaft mitgeholfen. Nach der Befreiung von der Franco Diktatur erfolgte ein unglaublich rascher Wandel der Gesellschaft. Dabei haben wahrscheinlich die Touristen mit einer gewissen Vorbildfunktion mitgeholfen. Die Spanier waren nicht mehr, wie bis Mitte der fünfziger Jahre, von Mitteleuropa abgeschirmt. Die Demokratisierung der Gesellschaft, der Einbezug der Frau in Wirtschaft und Politik und die modernere Auffassung von Familie, Partnerschaft und sexuellen Beziehungen gingen unglaublich rasch vonstatten. Kommentare zu diesem ArtikelZu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare abgegeben
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